Sozial KI im Podcast „Psychiatrie im Alltag": Befähigung statt Abhängigkeit!
Sozial KI im Podcast „Psychiatrie im Alltag": Befähigung statt Abhängigkeit!
Theodor Schöwitz spricht mit Werner und Andreas über konkrete Anwendungsfälle, den Weg raus aus der Schatten-IT und die Frage, wie die Einführung von KI in sozialen Einrichtungen gelingt
Unser Produktentwickler Theodor Schöwitz war zu Gast in Folge 69 des Podcasts „Psychiatrie im Alltag" von Andreas Pfeiffer (Ergotherapeut) und Werner Höhl (Psychologe). In ihrer ersten KI-Folge im Januar hatten die beiden noch live mit ChatGPT gesprochen, ein Experiment, das bei den Hörerinnen und Hörern große Resonanz ausgelöst hat. Diesmal wurde es ganz konkret: Wie kann künstliche Intelligenz die praktische Arbeit in psychiatrischen und sozialen Einrichtungen tatsächlich unterstützen? Theo war dafür direkt vom KI-Zukunftstag an der DHBW CAS in Heilbronn zugeschaltet, standesgemäß aus einer Multimedia-Arbeitskapsel.
Ein Wort zur Transparenz, die auch im Podcast selbst offen angesprochen wird: Werner Höhl ist der Vater unseres Mitgründers Niclas Höhl. So kam auch der Kontakt zustande. „Psychiatrie im Alltag" ist ein werbefreies Herzensprojekt der beiden Hosts, und das Gespräch wurde wie mit jedem anderen Gast geführt: neugierig, kritisch und ohne Werbecharakter.
Große Anteile der Arbeitszeit: Schreiben und Dokumentieren
Deutschland hat einen starken Sozialstaat und ein ordentliches Bürokratie-Monster gleich mit dazu. Im Podcast rechnet Theodor vor, was das im Alltag bedeutet: Je nach Arbeitsfeld fließen 30 bis 40 Prozent der Arbeitszeit in Schreiben und Dokumentieren, in Behörden teilweise noch mehr. Genau hier setzt generative KI an: Wenn Teile dieser Arbeit automatisiert oder zumindest vorbereitet werden, entsteht wieder Raum für mehr Klientenarbeit, die in prozessgetriebenen Abläufen oft zu kurz kommt. Gerade angesichts des Fachkräftemangels ist das eine Chance, die das Sozialwesen nicht ungenutzt lassen sollte.
Vom Hausbesuch zur fertigen Dokumentation
Was heißt das praktisch? Theodor beschreibt im Gespräch typische Anwendungsfälle: Nach einem Hausbesuch in Alltagssprache ins System einsprechen, was gerade passiert ist, und daraus einen fachsprachlichen Eintrag für die Dokumentation erhalten. Bei einer Fallübernahme den kompletten Fallverlauf zusammenfassen lassen, statt sich durch zwei, drei Jahre Dokumentation zu arbeiten. Oder sich beim Ausfüllen wiederkehrender, komplexer Formulare und Bedarfsermittlungsinstrumente unterstützen lassen.
Besonders gefreut hat uns an dieser Stelle das Praxisbeispiel von Werner selbst: Er nutzt SoKI für das Bedarfserhebungsinstrument in NRW, einen Antrag, der viele Seiten umfassen kann und für den Fachkräfte bislang gut und gern ein bis zwei volle Arbeitstage aufwenden. Die fachliche Arbeit bleibt dabei ganz beim Menschen: Gespräche führen, Daten korrekt erheben, den Fall kennen. Aber wenn diese Arbeit gemacht ist, kann die KI das Ganze in die geforderte Form bringen und so einen ganzen Arbeitstag sparen.
Raus aus der Schatten-IT
Ein Thema, das uns besonders am Herzen liegt: In vielen Einrichtungen nutzen Fachkräfte längst ChatGPT, Google Übersetzer oder Grammarly, oft heimlich, ohne Freigabe und ohne Schutz der hochsensiblen Daten. Im Podcast stellt Theodor klar, wo wir uns positionieren: SoKI ist bewusst kein Falldokumentationssystem, sondern eine datenschutzkonforme Alternative zu ChatGPT & Co., die auch mit Sozialdaten genutzt werden kann. Das heißt konkret: außerhalb des US Cloud Acts, mit voller Kontrolle über die Datenspeicherung und geprüft durch verschiedene Bias-Tests. Die menschliche Kontrolle ersetzt das ausdrücklich nicht.
Unser Anliegen: Fachkräfte aus der Schatten-IT herausholen und in ein sicheres Setting überführen, in dem besonders sensible Daten geschützt sind.
Datenschutz im Detail: eigene Server und Zero Data Retention
Warum europäische Partner für uns nicht verhandelbar sind, haben wir schon an anderer Stelle erklärt. Im Podcast geht Theo einen Schritt tiefer: Jeder Kunde erhält einen eigenen Server und entscheidet selbst über die Speicherfristen, von einigen Tagen oder einem Monat bis hin zu Zero Data Retention, also gar keiner Speicherung. Die KI-Modelle beziehen wir über strenge Rahmenverträge mit europäischen Cloud-Anbietern, bei denen die Eingaben nur während der Verarbeitung auf den Servern liegen und anschließend direkt gelöscht werden. Dabei räumt Theo auch mit einem Missverständnis auf: US-amerikanische KI-Produkte sind nicht per se schlecht. Viele sind enorm leistungsstark und durchaus empfehlenswert, nur eben nicht in Verbindung mit Sozialdaten. Dass bislang alle Datenschutzbeauftragten unserer Kunden mit diesem Setup zufrieden waren, freut uns besonders.
Gelingensbedingung: KI-Beauftragte mit echtem Freiraum
Wie kommt so ein System in einer Einrichtung an? Theos ehrliche Antwort: ganz unterschiedlich. Und der Unterschied liegt selten an der Technik. Zu Beginn jeder Einführung bilden wir KI-Beauftragte aus, die als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wirken, das System an die Bedarfe ihrer Einrichtung anpassen und zu den KI-Expertinnen und -Experten ihres Hauses werden. Stichwort digitale Souveränität: Befähigung statt Abhängigkeit.
Entscheidend ist, dass diese Menschen dafür echten Freiraum bekommen. Wo KI-Beauftragte einfach „on top" zu einer ohnehin vollen Stelle benannt werden und keine Zeit für Fortbildung bleibt, entsteht Skepsis aus Unwissen, und eigentlich gut gedachte Projekte scheitern. Wo dagegen Raum gegeben wird, KI zu verstehen, Chancen und Grenzen kennenzulernen und den Bezug zum eigenen Arbeitsbereich herzustellen, verschwindet auch die Angst schnell. Kurz gesagt: Erst kommt der Invest, dann die Entlastung.
Für Einrichtungen, die starten wollen, gibt es im Podcast ganz konkrete Tipps: KI-Beauftragte benennen und ihnen Zeit einräumen, realistische Erwartungen entwickeln, passende Prozesse identifizieren und die rechtlichen Rahmenbedingungen klären, bevor das System in der ganzen Einrichtung ausgerollt wird. Manchmal ist übrigens schon der Weg raus aus der Schatten-IT Use Case genug.
Mehr als Schreiben und Dokumentieren
Zum Abschluss geht es um die Zukunft: SoKI ist nicht auf Schreiben und Dokumentieren begrenzt. Über die Plattform lassen sich flexibel eigene KI-Assistenten für die jeweilige Einrichtung aufbauen, etwa einer, der Texte in Einfache Sprache überträgt, oder einer, der mit dem eigenen Qualitätshandbuch verbunden ist und Mitarbeitenden im Chat Fragen beantwortet. Weil wir dabei stark auf quelloffene Komponenten setzen, bleiben die Kosten niedrig. Das ist ganz bewusst so, denn soziale Einrichtungen sollten für gute KI keine Unsummen zahlen müssen.
Unser langfristiges Ziel bleibt, der Ansprechpartner für künstliche Intelligenz im Sozialwesen zu werden, auch beratend, damit Einrichtungen auf einem teils unübersichtlichen Markt nicht an unseriöse Angebote geraten.
Und für alle, die KI am liebsten ganz meiden würden, hat Werner zum Schluss noch einen Gedanken parat: Die KI wird niemandem den Arbeitsplatz wegnehmen. Wer sie aber komplett ignoriert, riskiert, dass die eigene Einrichtung hinter Mitbewerber zurückfällt, die mit KI mehr Qualität liefern und mehr Zeit für ihre Patientinnen und Patienten haben.
Reinhören lohnt sich!
Die vollständige Folge 69 von „Psychiatrie im Alltag" findet ihr überall, wo es Podcasts gibt. Herzlichen Dank an Werner und Andreas für die Einladung und das offene, neugierige Gespräch!








