Sichere Web-Suche mit Sozialdaten: DSGVO-konforme KI-Recherche für die Soziale Arbeit
Sichere Web-Suche mit Sozialdaten: DSGVO-konforme KI-Recherche für die Soziale Arbeit
KI in sozialen Einrichtungen: Das Dilemma zwischen aktuellem Wissen und Sozialdatenschutz
Soziale Arbeit findet in einer Gegenwart statt, die sich laufend verändert: Regelsätze werden angepasst, Wohngeld-Höchstbeträge neu festgelegt, Gesetze novelliert, Zuständigkeiten verschoben, Beratungsstellen eröffnen, schließen oder ändern ihre Erreichbarkeit. Wer heute eine Klientin zu Leistungen berät oder einen Hilfeplan aufstellt, braucht den Stand von heute und nicht den von vor zwei Jahren.
KI-Sprachmodelle stehen dazu in einem grundsätzlichen Spannungsverhältnis: Sie arbeiten mit einem Wissensstand, der zum Zeitpunkt ihres Trainings eingefroren wurde. Was danach beschlossen, veröffentlicht oder geändert wird, kennen sie nicht. Die naheliegende Antwort darauf ist eine Web-Suche direkt im KI-System. Nahezu alle generischen KI-Anbieter gehen diesen Weg, ohne zu fragen, mit welchen Daten dabei gesucht wird.
Für soziale Einrichtungen entsteht damit ein Problem, das der Markt bis heute weitgehend ungelöst lässt. Denn eine Suchanfrage aus der Fallarbeit ist selten neutral. Sie enthält, oft unvermeidbar, Hinweise auf die Lebenssituation eines Menschen. Solche Anfragen können Sozialdaten im Sinne der §§ 67 ff. SGB X, häufig zugleich besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO, geschützt durch das Sozialgeheimnis des § 35 SGB I sein.
Erschwerend kommt hinzu: Praktisch alle Anbieter von Web-Suchen klassifizieren eingehende Suchanfragen gar nicht erst als personenbezogene Daten. Das ist fatal. Denn genau diese Art von Daten übermitteln Sprachmodelle in Form von Suchanfragen an die Suchmaschine, und dort unterliegen sie dann nicht den strengen, zweckgebundenen Anforderungen, die ihr Schutz eigentlich verlangt. Was rechtlich höchsten Schutz verdient, wird behandelt wie eine beliebige Sucheingabe.
Allgemeine KI-Assistenten, die nicht auf soziale Einrichtungen spezialisiert sind, reichen solche Anfragen ungebremst an kommerzielle Suchmaschinen durch. Selbst manche Angebote für den Sozialbereich behelfen sich lediglich mit maschinellen Filtern, dazu gleich mehr. Soziale Einrichtungen standen damit vor einer unbefriedigenden Wahl: auf aktuelles Wissen aus dem Web verzichten oder den Schutz ihrer sensibelsten Daten dem Zufall überlassen. Warum der Markt diese Lücke so lange nicht geschlossen hat, zeigt ein Blick auf seine Struktur.
Die Hürde: Ein Suchmarkt in der Hand zweier US-Konzerne
Der Suchmaschinenmarkt ist so konzentriert wie kaum ein anderer digitaler Markt. Google beantwortet rund 90 Prozent aller Suchanfragen weltweit; in Deutschland liegt der Anteil je nach Erhebung und Endgerät zwischen 80 und über 90 Prozent. Den größten Teil des Rests deckt Microsoft mit Bing ab.
Noch enger wird es eine Ebene darunter, beim Suchindex: der Datenbank, aus der Suchmaschinen ihre Ergebnisse beziehen. Einen eigenen Index in relevanter Größe betrieben jahrzehntelang fast ausschließlich Google und Microsoft. Nahezu alle „alternativen" Suchmaschinen, auch die datenschutzfreundlich auftretenden, kaufen ihre Ergebnisse dort ein. Im Ergebnis wurden zuletzt rund 99 Prozent aller Suchanfragen in Europa von der Infrastruktur zweier US-Konzerne beantwortet.
Für Sozialdaten ist das unserer Einschätzung nach ein Ausschlusskriterium. Der US CLOUD Act von 2018 verpflichtet amerikanische Anbieter, US-Behörden auf Verlangen Zugriff auf verarbeitete Daten zu gewähren, und zwar unabhängig davon, auf welchem Kontinent die Server stehen. Ein europäisches Rechenzentrum eines US-Konzerns löst das Problem also nicht. Solange praktisch jeder leistungsfähige Suchindex direkt oder indirekt in US-Hand lag, fehlte einer Web-Suche mit sensiblen Falldaten schlicht die tragfähige, rechtskonforme Grundlage.
Das erklärt auch, warum wir uns für diesen Schritt bewusst mehr Zeit genommen haben als andere: Nicht die Technik der Suche war das Hindernis, sondern das Fehlen einer souveränen Alternative auf dem Markt. Auf diese Alternative wollten wir warten, statt Kompromisse beim Sozialdatenschutz einzugehen.
Der übliche Ausweg: Warum ein PII-Filter uns nicht genügt
Wo das Problem überhaupt adressiert wird, vereinzelt auch von Anbietern mit Fokus auf den Sozialbereich, lautet die gängige Antwort: ein vorgeschalteter PII-Filter. Ein maschinelles System soll personenbezogene Angaben aus der Anfrage entfernen, bevor sie weitergereicht wird. Das klingt pragmatisch, ist aber eine Wette mit den Daten der Klient:innen.
Maschinelle Filter übersehen sensible Inhalte: seltene Namen, kleinräumige Ortsangaben, Fallkonstellationen, die erst im Zusammenhang identifizierend wirken. Was der Filter durchlässt, verlässt Europa, wird beim US-Anbieter gespeichert und kann dort zweckentfremdet werden. Die Sicherheit hängt damit an der Trefferquote eines Filters, und jede Lücke ist eine Datenpanne mit besonders schützenswerten Daten.
Wir haben uns bewusst gegen diesen Weg entschieden, auch wenn uns diese Entscheidung Zeit gekostet hat. Ein Filter ist Schadensbegrenzung. Wir wollten eine Lösung, bei der es nichts zu begrenzen gibt.
Neu in SoKI: Web-Suche über den europäischen Suchindex
Diese Lösung gibt es jetzt. Mit der European Search Perspective (EUSP) ist entstanden, was dem Markt jahrzehntelang fehlte: ein eigenständiger europäischer Suchindex. Genau diesen Index haben wir in SoKI integriert. SoKI kann damit ab sofort live im Web recherchieren: in einer gesicherten Umgebung, in der die Falldaten vollständig geschützt bleiben.
Sicherheit durch Architektur statt durch Filter
Für die neue Web-Suche gilt dasselbe Prinzip wie für alle anderen Funktionen von SoKI: Der Schutz der Daten hängt nicht von Filtern, Einstellungen oder Vertragszusagen ab, sondern ist in der Architektur verankert. Drei Eigenschaften tragen das:
Vollständig europäisch. Jede Anfrage läuft ausschließlich über die europäische Suchinfrastruktur der EUSP. Kein US-Anbieter ist beteiligt; der CLOUD Act findet keinen Ansatzpunkt.
Null-Datenspeicherung (ZDR). Anfragen werden verarbeitet und anschließend verworfen. Nichts wird gespeichert, nichts für Werbung, Profilbildung oder Trainingszwecke zweckentfremdet.
Keine Weitergabe. Es existiert kein Pfad, über den Falldaten an Dritte oder in Drittländer gelangen könnten. Die Web-Suche kann die eingegebenen Daten nicht preisgeben: nicht, weil ein Filter sie zurückhält, sondern weil der Weg nach außen architektonisch nicht vorhanden ist.
Erst diese Architektur macht es vertretbar, die Web-Suche dort einzusetzen, wo sie in der Fallarbeit am wertvollsten ist: im Kontext konkreter, sensibler Fälle.
Sichere Web-Suche in der Praxis: Fallarbeit und Beratung
Ein Beispiel: Eine Fachkraft fragt SoKI nach den Wohngeld-Höchstbeträgen 2026. SoKI durchsucht das Web über die EU-Suchmaschine, findet die aktuellen Angaben und antwortet mit Quellenangabe. Was das im Alltag bedeutet:
Antworten auf dem Stand von heute. Regelsätze, Höchstbeträge, Antragsfristen, Gesetzesnovellen: SoKI recherchiert den aktuellen Stand, statt auf den Wissensstand des Trainings beschränkt zu sein.
Lokale Angebote und Anlaufstellen. Beratungsstellen, Träger, Erreichbarkeiten und freie Angebote vor Ort ändern sich laufend. Solche Informationen lassen sich jetzt direkt im Gespräch recherchieren.
Recherche im Fallkontext. Weil die Suche geschützt ist, muss niemand den Fall für die Recherche künstlich verfremden oder in ein anderes System wechseln. Die Web-Suche fügt sich in die Fallarbeit ein, statt einen Bruch zu erzeugen.
Quellen bleiben sichtbar, die Bewertung bleibt fachlich. SoKI liefert Ergebnisse mit Quellenangabe und macht nachvollziehbar, worauf eine Antwort beruht. Die Einordnung, ob eine Quelle belastbar ist und ob eine Information auf den konkreten Fall passt, bleibt Aufgabe der Fachkraft. Die KI nimmt den Aufwand der Recherche ab, nicht die fachliche Einschätzung.
Datenschutz bei der Web-Suche mit sensiblen Falldaten
Für die Web-Suche gelten in SoKI unverändert dieselben Grundprinzipien wie für alle anderen Funktionen und Produkte von Sozial KI: keine US-Anbieter, Null-Datenspeicherung, EU-Souveränität und DSGVO-Konformität. Ein Aspekt, den fast alle Websuchen-Anbieter übergehen, wurde dabei von Anfang an mitgedacht: Suchanfragen gelten in SoKI von vornherein als personenbezogene Daten, und der Umgang mit ihnen wurde entsprechend konform umgesetzt. Ihre Verarbeitung bleibt streng zweckgebunden und dient ausschließlich der Beantwortung der jeweiligen Anfrage. Neu ist also nicht der Maßstab, sondern dass er sich jetzt auch auf aktuelles Wissen aus dem Web anwenden lässt. Der Schutz der Falldaten bleibt durchgängig gewährleistet: von der Eingabe über die Recherche bis zur Antwort.
Aktuelles Wissen zugänglich machen
Mit der sicheren Web-Suche schließen wir eine der letzten Lücken zwischen dem, was KI-Systeme leisten können, und dem, was der Sozialdatenschutz verlangt. Soziale Einrichtungen sollen aktuelles Wissen dort nutzen können, wo es wirkt, ohne dass der Schutz der Menschen, um die es geht, zur Verhandlungsmasse wird.
Die neue Web-Suche kann ab sofort durch KI-Beauftragte auf ihrer SoKI-Instanz freigeschaltet werden. Bei Fragen können sich KI-Beauftragte gerne an soki@sozial-ki.de oder direkt an ihren persönlichen Ansprechpartner wenden.








